… und die, die ich wurde.

Bald ist es soweit – Weihnachten rückt immer näher. Ich gebe es nicht gerne zu, aber das erste Paket mit Geschenken ist schon letzte Woche eingetroffen.

Neulich sagte jemand in einem Nebensatz zu mir: „Aber du wolltest doch nie, dass dein Kind so mit Geschenken überschüttet (und verwöhnt) wird.“

Ups, ja. Da war ja was. Die idealistische (und vorallem selbstgerechte) Vorstellung davon, was ich für eine Mama sein wollte.

Dieser Satz hat mich nachdenklich gemacht. Darüber, wie viele Vorsätze ich hatte.

Oh – und wie unendlich naiv ich war.

„Warum französische Kinder keine Nervensägen sind“ war meine Erziehungs-Bibel, #sugarfreetillthree ein ungeschriebenes Gesetz und Tragen fand ich ziemlich uncool.

Pädagogisches Spielzeug aus Holz und immer frisch gekochter Brei, ist doch klar.

Und dann kam er, der große Tag. Der alles veränderte. Der mich veränderte.

Schon die Umstände der Geburt waren so anders als geplant, dass ich schnell kapierte dass Mamasein vorallem Kontrollverlust bedeuten würde.

Und jetzt schleppe ich regelmäßig 10,5 Kilo in der Trage durch die Gegend.
Mein Baby liebt Eis und so ziemlich jede andere Speise, schläft wo ER will und spielt am liebsten mit dem lautesten, buntesten und schrillsten Spielzeug was es auf dem Markt gibt.

Was ich in meinem ersten Jahr als Mama gelernt habe?

Es kommt immer anders als man denkt. Gerade dann, wenn man einen super Trick zum Einschlafen gefunden hat oder denkt, man hat endlich alles voll im Griff, dann kommt ein Schub, ein Zahn, eine Erkältung oder eben Vollmond. Oder was weiss ich.

Flexibel zu bleiben hilft definitiv. Nicht alles so streng und dogmatisch zu sehen. Einfach zu schauen, was jetzt hilft und gut für das Kind ist. Auch mal von seinen selbst aufgestellten Regeln  und Ratgebern Abstand zu nehmen und alle Fünfe gerade sein zu lassen.

Außerdem finde ich es mega wichtig sich mit anderen Mamas auszutauschen- ohne ständige Vergleiche und Verurteilung. Nichts beruhigt mehr als die magischen Worte „Oh ja, mein Kind macht das auch“. Wir brauchen uns, und sollten in einem Team spielen.

Jede Mama hat eine Stärke von der wir etwas lernen können – und niemand macht alles perfekt.

Im Normalfall will jeder das Beste für sein Kind – nur sehen die Wege dahin verschieden aus. Andere Meinungen stehen zu lassen und einander so anzunehmen wie man ist, Trost zu spenden wenn man nur noch das Gefühl hat zu versagen und alles falsch zu machen, das ist die Art von wahrer Mama-Freundschaft die wir alle brauchen.

Streit über Krippen, Einschlafrituale oder Ernährung kann wirklich niemand gebrauchen.

Es gibt Punkte, da gibt es kein richtig oder falsch. Jeder muss das tun, was er für sein Kind,
für richtig hält.

Das bringt mich zu meinem letzten Punkt.
Irgendjemand wird immer einen Grund haben, Dich zu kritisieren. Man braucht ein starkes Rückrad als Mutter. Das habe ich in letzter Zeit oft gemerkt. „Was, Du bist noch Zuhause? Du machst jetzt also einfach gar nichts? Was, Leo ist noch nicht in der Krippe, wie soll er da soziales Verhalten lernen?“

Wenn wir uns darüber definieren, was andere über unsere Entscheidungen denken , sind wir ziemlich arm dran. Diese Schlacht kann man nicht gewinnen.

Mamasein bedeutet für mich auf mein Bauchgefühl zu hören, jeden Tag daran zu arbeiten die beste Version von mir selbst zu sein und Geduld zu haben.

Mit meinem Sohn- vorallem aber mit mir selbst.

(Und manchmal hilft nur noch ein großer Kaffee ;))