Die Idee für diesen Blogpost hatte ich schon vor ein paar Wochen. Auf dem Rückweg von unserem Sommerurlaub halten wir traditionell bei unseren Freunden im Schwabenländle an. Unsere Freunde haben Zwillinge. Sie sind  ganz wunderbare Jungs.  Wild und fröhlich und dreieinhalb. Eines Nachmittags saßen wir im Garten und haben Kaffee getrunken. Ich habe meine Freundin angeschaut, und dachte mir, wie wahnsinnig stolz ich auf sie bin. Sie macht das alles so gut.  Liebevoll und geduldig. Und trotzdem weiß ich, dass sie oft an ihre Grenzen stößt und an ihren Qualitäten als Mutter zweifelt. Woher ich das weiß? Weil ich es fühlen kann. Weil es mir nicht anders geht. Jeden Abend liege ich im Bett und gehe in Gedanken den Tag durch. Ich gebe mir selbst Noten. Ich sage zu Richard „Heute war ich zu 85% eine gute Mama.“ 15% Abzug für Ungeduld, zu viel Meckern und einen kurzen Wutausbruch. Und das ist ein guter Tag.

Die letze Woche war irgendwie sehr hart. Die Eingewöhnung von Leo läuft so gut, aber meinem Herzen fällt es schwer loszulassen und hinter all der Veränderung hinterherzukommen. Anstatt ermutigt zu werden, wird man gefühlt stündlich mit Vorwürfen überhäuft. Irgendwie passen wir in kein Raster. Für unseren Kinderarzt und viele Berufstätige Mamas sind wir ein Jahr zu spät dran mit dem Kita-Start und für unser Umfeld ein Jahr zu früh. Aber muss man in ein Raster passen? Warum sagen wir einander nicht die guten Dinge, die uns auffallen? Warum unterstützen wir einander nicht mehr und spornen uns an die beste Mama/Frau/Studentin/ Mensch zu sein, die wir eben sein können? Warum müssen wir a l l e s kommentieren und vergleichen? Ich will mich davon gar nicht freisprechen.

Wir sind doch gemeinsam auf dieser Reise, warum verhalten wir uns wie im Krieg? Warum maßen wir es uns an, die Entscheidungen die Eltern für ihr Kind treffen, zu bewerten ohne eine Meile in ihren Schuhen gelaufen zu sein?

Jedes Kind ist anderes und auch jede Mama. Wir geben doch alle irgendwie unser Bestes und wollen unsere Kinder gesund und glücklich aufwachsen sehen. Mir persönlich fällt es so schwer, Leo loszulassen – aber es ist Teil des Elternseins. Ob er jetzt zwei, vier, sechs oder sechzehn ist- ich werde mich immer um ihn (und seine Schwester) sorgen und mich fragen ob ich alles richtig mache.

Statt mich auf die negativen Stimmen zu fokussieren und mich ständig zu rechtfertigen, will ich anders sein. Ich steige aus dem Vergleich-und Kritik-Zug aus. Ich will Mütter, Frauen und eigentlich jeden den ich treffe ermutigen. Feuer anfachen, statt ersticken. Zuhören statt ungefragt Ratschläge zu geben. Wir haben doch selbst schon mehr als genug Zweifel und Unsicherheit im Herzen und brauchen vielmehr jemanden der einfach nur sagt „Du machst das gut.“ Und genau deshalb dieser Blogartikel. Wenn ich mich umschaue, sehe ich so wunderbare Mamas in meinem Umfeld.

Ich möchte Euch feiern, auf Euch anstoßen. Ich sehe Euch ganz genau vor mir mit all Euren Facetten und Farben.

Wie wunderbar Ihr Eure Kinder aufzieht, begleitet und prägt.

Ich sehe meine Freundin, die neben drei Kindern noch ihren Masterabschluss gemacht hat und einer der hilfsbereiten Menschen ist, den ich kenne.

Ich sehe Leos Patentante vor mir, meine beste Freundin, die so lustig ist und stundenlang mit ihrem und meinen Kindern spielt und sogar jeden Tag frischen Brei gekocht hat.

Meine Schwägerinnen die so liebevoll und bedürfnisorientiert erziehen, aber dennoch so unterschiedlich und individuell sind.

Ich sehe meine Freundin, die immer alles versteht und so geduldig ist. Die mit ihren Kindern auf Augenhöhe lebt.

Ich sehe die Mama, die alleinerziehend ist und einfach nur versucht zu überleben. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Die berufstätige Mama, die Karriere macht und trotzdem immer mit dem Herzen bei ihrem Kind in der Kita ist.

Die Studentenmama, die sich durch die Uni quält um danach schnellstmöglich zu ihren Kindern zu rasen.

Die Pflegemamas, Adoptivmamas, die Mamas von kranken Kindern.

Ich sehe Euch. Ihr inspiriert mich. Ihr macht einen fabelhaften Job.

Und nein, heute ist nicht Muttertag. Heute ist einfach nur ein ganz normaler Dienstag, an dem Ihr alles für die kleinen Menschen in Eurem Leben gebt, eigene Bedürfnisse zurücksteckt und Euch wahrscheinlich selbst in Frage stellt.

Ihr macht das toll. Weiter so.